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Kriegskinder sind unschuldige Opfer, die Hilfe brauchen
Ausstellung und Lesung mit Barbara Gladysch
Traumatisierte Kinder, die gehetzt und ängstlich durch die Trümmer der tschetschenischen Hauptstadt Grosny irren, diese Bilder wurden für die deutsche Pädagogin Barbara Gladysch zum Schlüsselerlebnis. Sie erkannte, dass dringend geholfen werden musste und begann mit dem Aufbau von Therapiezentren, die sie "kleiner Stern" nannte. Heute bestehen solche fachlich betreuten Treffpunkte in vielen Flüchtlingslagern, auch in Grosny selbst. Ein neues Projekt ist die Einrichtung eines großen Spielzentrums in einem besonders vom Krieg zerstörten Stadtteil der tschetschenischen Hauptstadt.
Bei der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule Schleswig, wie bei der Lesung in der Stadtbücherei, berichtet Frau Gladysch über die Not der Kinder und ihre teilweise dramatischenErlebnisse in dieser Teilrepublik Russlands. Inihrem Buch "Die kleinen Sterne" analysiert Frau Gladysch offen, fast schonungslos die Entwicklung ihrer eigenenPersönlichkeit. Früher Verlust der Mutter, aufgewachsen in einem strengen, reglementierten Elternhaus, erzogen von Nonnen, geprägt von der kargen Nachkriegszeit, findet sie Halt in einem festen Glauben, der ihr bis heute Kraft gibt. Die Hinwendung zu Kindern, besonders solche mit Problemen, erscheint vorgezeichnet. Sie engagiert sich beruflich wie privat für Frieden, für die Schwachen und Hilflosen.
Auf Einladung der russischen "Soldatenmütter", einer Vereinigung von Frauen, die sich für ihre rekrutierten Söhne und Frieden einsetzen, reist Frau Gladysch 1997 nach Grosny. Dort trifft sie auf Zerstörung und Leiden der Menschen. In bewegenden Worten macht die Autorin ihre Zuhörer zu Zeugen der Kriegsgrauen und schildert beispielhaft einige Schicksale, "um den Opfern eine Stimme zu geben".
Sie trifft die 12jährige Mädchen Markha, das die blutgetränkte Jacke ihrer getöteten 7jährigen Schwester nicht loslassen kann. Das Mädchen spricht mit niemandem mehr, sondern knetet zwanghaft Figuren aus Plastilin. Die Autorin schildert auch die Angst "des Soldaten mit dem Kindergesicht", der sich schutzsuchend an sein Gewehr klammert, der immer Hunger hat und keine Zigaretten. Er bittet schüchtern darum, seiner Mutter in Moskau zu schreiben, dass er lebt und in sechs Monaten wieder nach Hause darf. Bei einer Fahrt in die zerstörte, fast menschenleere Kleinstadt Sernowodsk begegnet Gladysch dem 13jährigen Nascho, der in den Ruinen die Alten mit Nahrung versorgt, die Toten begräbt und nach seiner Familie sucht. Die Schilderungen lösen Betroffenheit bei den Zuhörern aus, es wird stumm im Saal der Bücherei, einige wischen sich Tränen aus den Augen.
Vor Ort zu helfen, empfindet die Pädagogin und Mutter Barbara Gladysch als Pflicht. Sie gründet die Therapiezentren "Kleiner Stern", in denen Kinder fachlich betreut werden. Unermüdlich wirbt sie in den folgenden Jahren um Unterstützung, sodass es heute zahlreiche "little star points" in Tschetschenien und in den Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten gibt. Sie hilft auch den Flüchtlingen in Deutschland, die zwar dem Krieg entkommen sind, aber nicht ihren schrecklichen Erinnerungen. Die Lesung schließt mit ihrer Bitte, "helfen Sie, wann und wo Sie es können."